Celebrating 150 Jahre Pella Moravian Mission Station an der Westküste Südafrikas. (Bericht von Renate Cochrane) Kapstadt, 5. Mai 2019
In den Jugendjahren von Pfarrerin Joy Kronenberg war der Besuch der wunderschönen Konzerthalle (Baxter concert hall) in Kapstadt verboten. Moravians waren nicht „weiß“ und durften während der Apartheid-Jahre diesen Konzert- und Theaterbau nicht betreten.
Erst im demokratischen Südafrika öffneten sich die Türen für „Nicht-Weiße“.........
„Das Geheimnis der Erlösung heisst Erinnerung“ – dieses Wort von Weizsäcker hat in Südafrika eine große Bedeutung. Das Zurückdenken an die Zeit des Ausgeschlossenseins tut weh – und doch gehört die Vergangenheit der Apartheid zu unserem Leben in Südafrika. Darum hat Pfarrerin Joy, die leidenschaftlich dem Theater und der Musik verbunden ist, ein besonderes Konzert im Baxter für ihre Gemeinde Pella organisiert. Sie hat es auch getan, damit man sich an die geschichtlichen Ursprünge der Missionstation im Jahre 1869 erinnert, und auch an die Menschen denkt, die damals nach Pella gekommen sind – sie waren heimatlos und sehnten sich nach Geborgenheit und Wurzeln. Sie waren befreite Sklaven, deren Vorfahren aus den niederländischen Kolonialgebieten an das Kap zwangsverschifft wurden. Wo war jetzt, nach der Befreiung, ihre Heimat? Zugleich kamen auch viele umherwandernde Khoi zu den Herrnhuter Missionsdörfern. Die Khoi (abschätzig Hottentotten genannt) waren die Ureinwohner am Kap und hatten ihre Heimat durch die Macht der Gewehre an die Europäer verloren. Sklaven und Khoi und auch Gruppen von San („Buschmänner“) kamen zur Missionstation Mamre, das aber so viele Zufluchtssuchende nicht mehr aufnehmen konnte – und so wurde ein neuer Ort in der Nähe gegründet mit dem Namen Pella. Pella war in der Antike die Stadt, die von den Römern verfolgten Christen Unterschlupf bot.
Die Neu-einwohner hatten neben ihrer Unterdrückung noch etwas anderes gemeinsam: der Verlust ihrer Sprache. Die Sklaven haben – wie in Amerika - ihre einheimischen Sprachen schnell verloren, da sie aus vielen verschiedenen Ländern (Indien) kamen. Die Khoi wurden durch Krankheiten dezimiert, denn sie hatten keine Immunität gegen die von den Europäern eingeschleppten Erreger. Die wenigen Überlebenden konnten ihre Sprache ebenfalls nicht erhalten, da man ihnen das Schreiben verbot. So wurde die allgemeine Sprache der nicht-europäischen Kapbewohner das Kap-Holländische (Afrikaans). Sie wurden in der Apartheidswelt als „coloured“ kategorisiert – im Gegensatz zu den schwarzen Südafrikanern, die ihre Stammessprachen behalten haben.
Da die Rassentrennung so schmerzlich war, sehnen sich heute viele Südafrikaner nach gemeinsamen Veranstaltungen, wo wir alle uns einer Rasse zugehörig fühlen dürfen – der menschlichen Rasse.
Die Moravians haben eine stolze Geschichte in Südafrika, denn ihr Grundprinzip ist die Gleichwertigkeit aller Menschen. Auch die Gleichwertigkeit von Menschen mit Behinderungen.
So war das Pella Konzert eine wunderbar heilende Erfahrung der Versöhnung. Gruppen aus allen südafrikanischen Kulturwelten waren auf der Bühne..........und das Publikum war begeistert von der Vielfalt der Talente in unserem Land. Der Auftritt der Künstler war zum Teil umsonst, denn es war ein Benefiz-Konzert für Jugendaktivitäten und Musikausbildung in Pella.
Zum Einklang singt der Pella Schulchor auf dem hohen Parkett im Baxter –
Pfarrerin Joy eröffnet das Konzert mit einem Gebet –
SOLI DEO GLORIA
Die letzten Wochen waren begleitet von viel Stress für sie, denn die Miete für das Baxter ist sehr hoch..........600 tickets mussten verkauft werden und Sponsoren für Ärmere gefunden werden, die den Eintritt nicht bezahlen konnten.
Doch sie hat es geschafft!
Die Jazzband der Universität von Stellenbosch spielte mit hingebungsvoller musikalischer Wärme........... Stellenbosch war eine Hochburg der Apartheid, deshalb war dieser Anblick für die Älteren im Publikum ein bewegendes Geschehen...Stellenbosch-Studenten in einem Moravian Benefiz-Konzert....
Diese Paar führte ein „Rollstuhl-ballett“ vor..........
Die meisten Zuschauer sahen solch eine Aufführung zum ersten mal.....und viele weiße Tränen-Taschentücher blitzten in der Dunkelheit des Zuschauerraums............
Die „Gugulethu tenors“ kommen aus einem schwarzen township – sie sind inzwischen berühmt. Das neue Südafrika hat auch ihren Talenten die Tür zur Welt geöffnet.........
Engelsstimmen, die durch die moderne Tontechnik am Baxter zur vollen Geltung kommen durften.......
Diese traditionelle schwarz-afrikanische Tanzgruppe hat das Publikum fast aus den Stühlen gerissen........
Wir sind wirklich eine gesegnete Regenbogengesellschaft – solch ein Reichtum an kultureller Vielfalt.
Es gab noch viele andere Darbietungen – alle vom gleichen hohen Niveau..........mein Bericht ist nicht vollständig, denn Fotos ohne Blitz aufzunehmen, ist schwierig..........
Wir waren an diesem Abend alle stolz, zur Moravian community zu gehören. Die Moravians spielten in der Geschichte Südafrikas eine wichtige Rolle............und wir spürten den Geist dieses Vermächtnisses.
In einer bewegenden Schlussrede der Beauftragten von Pella kam der Dank an Reverend Joy zum Ausdruck.
Die Kinder und Jugendlichen von Pella werden dieses Konzert für ihre Heimat nie vergessen. Sie werden diese Erfahrung als kostbares Juwel ein Leben lang in ihren Herzen behalten.